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Sachsens Glanz und Gloria: der Goldriesling


Sachsen, Qualitätswein, Goldriesling – das ist mal ein Etiketten-Aufdruck! Der uns globalisierten Weintrinker in tiefe Ratlosigkeit stürzt. Wir, die wir seit Jahrzehnten jeden Grauburgunder multikulti-locker Pinot Grigio rufen. Wir, die im amerikanischen Napa, im australischen McLaren, im chilenischen Maipo jeden Rebstock beim Vornamen kennen. Na klar wissen wir, dass wir umdenken müssen. Dass es auch in deutschen Landen tollen Wein geben soll. Alles schön und gut. Aber jetzt auch noch Sachsen? Und dann noch eine Traube Namens Goldriesling? Wird jetzt nicht langsam übertrieben?

Wird nicht. Was allerdings an dieser Stelle erst einmal nicht mehr als eine Arbeitshypothese ist. Denn zu trinken kriegt man sächsischen Goldriesling außerhalb Sachsens eher kaum - die Sachsen trinken ihren Wein halt am liebsten selber. Was übrig bleibt, wird nicht verkauft im marktwirtschaftlichen Sinne, sondern eher großzügig zugewiesen. Und zwar in erster Linie an Sachsens Touristen.

Eine solche Region, eine solche Traube in einem Weinpaket vorzustellen, ist nicht einfach. ...

Beginnen wir also dort, wo auch die Geschichte ihren Ursprung hatte. Im Bordeaux, bei einer höchst professionellen Verkostung im Hause Mouton Rothschild. Von immenser Nachfrage war da schnell die Rede. Von kluger Verknappung. Von unendlicher Begehrlichkeit und ständig steigenden Preisen. „Wie bei uns in Sachsen,“ warf da ein Weinhändler Kühnle aus Dresden ein. Das saß.

Wir nahmen Weinhändler Kühnle beim Wort. Sachsens Weinbau mit seinen über 800 Jahren Tradition, so lernten wir schnell, ist bekannt für seine Traubenvielfalt. Also konzentrieren wir uns auf etwas, was es nur in Sachsen gibt, weltexklusiv: den Goldriesling. Hier nun Partner für das Weinpaket zu finden, war die Aufgabe. Nein, nicht wegen der Qualität. Sondern Weingüter zu finden, die ihren raren Goldriesling einem neuen Kundenkreis vorstellen wollten – haben sie doch ohnehin schon jetzt zu wenig.

Das 11 Hektar-Weingut Jan Ulrich, Sachsens 1600 Mitglieder-Winzergenossenschaft Meissen, dazu Proschwitz, das hochmoderne, prinzliche VdP-Schlossweingut derer zur Lippe – diese drei nun tragen das sächsische Goldriesling-Banner Richtung Restdeutschland. Alle drei in der Hoffnung, dass nicht zu viel bestellt wird. Und alle drei mit dem gleichen Satz: „Im Juli, spätestens im August ist der Goldriesling ausverkauft.“ Wunderbar das Gesicht des Genossenschafts-Geschäftsführers Lutz Krüger, als man bei der Verkostung seines 2006er Goldrieslings um eine Vergleichsprobe aus dem Vorjahr bat. Ein ungläubiges Lächeln. Als wolle man die Original-Lieblinsbouteille August des Starken köpfen. Nicht eine einzige 05er-Flasche war aufzutreiben.

So ist das halt in Sachsen, Europas nördlichstem Weinbauregion und Deutschlands kleinstem Anbaugebiet. Gerade einmal 480 Hektar. In Übersee würden manche Winzer dafür nicht mal den Ernte-Trecker anwerfen.

Goldriesling ist eine elsässische Kreuzung aus Riesling und Courtiller musqué précoce. Spät treibend, früh reif, so kann man auch ohne global warming im Norden reüssieren. Den Namen führt die Traube, weil im Herbst die Beeren im satten Gold glänzen. Antje Neumann vom Schloss Proschwitz: „Als seien sie mit Gold angepinselt.“
Goldriesling ist der Ideal-Wein für den moderne, heizungskeller-warmen Wohnungsbau. „Das ist kein Lagerwein. Goldriesling will schnell getrunken werden. Nach einem Jahr sollten die Flaschen leer sein.“ Sagt Krüger, um die Schlappe mit dem 05er Wein irgendwie zu erklären. Und: Goldriesling bedarf bereits im Weinberg der bedächtigen Hand. Winzer Ulrich weiß: „75 Öchsle sind das maximale. Ich könnte den Goldriesling zwar auch auf 80 hochtreiben, aber dann fällt die Säure ab und damit wäre gar nichts gewonnen.“.
Das feine Spiel von Restzucker und Säure erinnert an den großen Bruder Riesling. Aber Goldriesling ist trotzdem was eigenes. Genossenschafts-Kellermeisterin Nicole Weich betont: „Goldriesling hat nichts zu tun mit Riesling. Der soll gar nicht wie Riesling schmecken.“ Lösslehm und Granitgestein geben dem Wein Frucht und eine ausgeprägte Mineralität. Prinz von der Lippe sagt: „ Unser Wein muß Boden und Klima widerspiegeln. Er muß authentisch sein.“ Kann man so sagen. Man kann aber auch einfach nur das Etikett lesen: Sachsen, Qualitätswein, Goldriesling!

Weingut Jan Ulrich
2006er Goldriesling
QbA, Sachsen
Ausgesprochen fruchtbetont, tolle Aromen, ganz klare Nase. Restsüße schön eingebunden. Ausgesprochen trinkanimierend. Wie Ulrichs Gattin Carols sagt: „Ein ausgesprochener Saufwein.“

Winzergenossenschaft Meissen
2006er Goldriesling
QbA, Sachsen
Rein, sauber, klar strukturiert. Tolle, florale Nase und gute Mineralität. „Ideal“, so Genossenschafts--Chef Krüger, "zu Blauen Karpfen oder Thüringer Bratwurst.“

Weingut Schloss Proschwitz
2006er Goldriesling
QbA, Sachsen
Starke Mineralität bei ausgeprägter Süße. Große Harmonie. Zitrus, Kiwi, reife Birne. Trinkwein auf hohem Niveau. Der Prinz trinkt ihn zu Salaten mit Meeresfrüchten, zum Apero oder zur Grill-Partie.